Faultline Faultline Kommando 161

Germany · jungle.world · · 3h

Draußen vor der ZDF-Studiotür

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Unter der Lederjacke von Danger Dan verstecken sich knutschende Superhelden

Unter der Lederjacke von Danger Dan verstecken sich knutschende Superhelden

»Fear Is a Man’s Best Friend«, sang John Cale schon 1974. Angst als guter Berater und nicht als Einschüchterungspeitsche. »Keine Angst« heißt das Anfang Oktober erscheinende Album von Danger Dan, das spätestens seit dem gecancelten Auftritt in der ZDF-Satire-Show »Die Anstalt« in aller Munde ist. Jetzt wird heiß diskutiert, ob man als kämpferischer Antifa-Typ im ZDF auftreten darf, ob Danger Dan nun staatstragend oder Staatsfeind ist und ob man als pro­israelischer Linker überhaupt noch was von Antifaschismus versteht.

Danger Dans Songs, die irgendwo zwischen Georg Kreisler, Billy Bragg, Bruce Hornsby und Roots Reggae einzuordnen sind, tänzeln geschickt auf der Grenze des Sagbaren. Genau dort scheitern seit Jahren alle demokratischen Debatten, die bei Markus Lanz oder Sandra Maischberger nur noch lahmes Hundegebell produzieren, während die AfD Land gewinnt.

Bomberjacke, Doc-Martens-Stiefel, E-Piano: Allein durch diesen Redskin-Look entzieht er sich jener verbreiteten Sehnsucht, ihn politisch einordnen zu können.

Auf seinem Vorgängeralbum rückte er mit dem Titelsong »Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt« die NSU-Skandale in den Fokus, nun beschäftigt er sich mit seinen Ängsten, die auch politische Ursachen haben. Er schlägt vor – Achtung Ironie –, Nazis so schlecht zu behandeln wie Frauen, wohnt einer Kneipenkeilerei in der Kreuzberger Absteige »Rote Rose« bei, thematisiert seine Augen­erkrankung und den Tod seines Freundes NMZS. Danger Dan ist kein Pianovirtuose, aber sein Timbre geht unter die Haut. Bomberjacke, Doc-Martens-Stiefel, E-Piano: Allein durch diesen Redskin-Look entzieht er sich jener verbreiteten Sehnsucht, ihn politisch einordnen zu können. So erinnern wir uns an die Achtziger und die Unterwanderung der Skinhead-Bewegung durch rechte Gruppen, während die echten Skins politisch ganz woanders standen und am liebsten Ska- oder Soul-Musik hörten. Und ziemlich tolle Tänzer waren! Doch die meisten Leute verbinden mit dem Skinhead-Look noch heute Rechtsextremismus, während die wahren Strippenzieher der Rechten schon immer so aussahen wie der Nachbar von nebenan.

Es ist offensichtlich, dass die Rechts­extremen ohne eine funktionierende Antifa die Räume auch in den Städten gewinnen. »Der Mythos Berlin stößt auf das Problem, dass mindestens seit einer Generation kaum junge Antifas mehr nachgekommen sind«, sagt Danger Dan uns im Gespräch. Er träumt nach der Tour zum Album von einem eigenen Off-Theater in Berlin. Selbstorganisiert. Mit F­reund:in­nen. Kein Social Media. So bürgernah wie der nächste Späti.

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Source: jungle.world