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Germany · jungle.world · 6h

Diese Menschen sind gefährlich

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Deutschland normal? Simson-Ausfahrt bei einer Afd-Wahlkampfveranstaltung am 23. August in Quedlinburg

Deutschland normal? Simson-Ausfahrt bei einer Afd-Wahlkampfveranstaltung am 23. August in Quedlinburg

»Der gefährlichste Mann Deutschlands« titelte die Illustrierte Der Spiegel jüngst. Unter der Schlagzeile war ein Foto des AfD-Spitzenkandidaten in Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund, zu sehen. Dass der auf dem Titelbild keineswegs gefährlich wirkte, sollte wohl eine besonders gewitzte Text-Bild-Schere darstellen. Siegmund, der sich als volksnaher Traumschwiegersohn inszeniert, nahm die Steil­vorlage dankbar an und signierte darauf immer wieder mit Zahnpastalächeln die fragliche Spiegel-Ausgabe, ganz nach dem Motto: »Seht her, das Establishment schreckt vor keinem noch so verzweifelten Versuch zurück, mich zu dämonisieren. Dabei bin ich doch total normal – einer von euch.«

Die AfD-Losung »Deutschland, aber normal« ist natürlich als Drohung zu verstehen, und zwar gegen alle, die im Sinne der Partei nicht normal sind. Der Slogan bringt die völkische Ideologie auf den Punkt, der zufolge störende Elemente wie »Ausländer«, Queers, Menschen mit Behinderung oder schlicht unnütze Esser nicht zum homogen-leistungsfähigen »Volk« gehören und entfernt werden müssen. Jemand wie Siegmund ist tatsächlich wie diejenigen, die ihn wählen: jovial im Auftreten, verächtlich bis zur Brutalität gegen »Volksfeinde«.

Jemand wie Siegmund ist tatsächlich wie diejenigen, die ihn wählen: jovial im Auftreten, verächtlich bis zur Brutalität gegen »Volksfeinde«.  

Ein Titel wie der des Spiegels zeigt noch einmal deutlich das Scheitern der hilflosen Versuche, sich vor dieser Erkenntnis zu drücken. Die AfD macht, was sich ein gutes Drittel der Wahlbevölkerung wünscht. Die Zeit ist vorbei, in der bürgerliche Politik noch so tun konnte, als gelänge es ihr, letztlich alle Menschen in Deutschland anzusprechen. Ein Drittel der Deutschen – mancherorts über die Hälfte – stellt sich bereits unmissverständlich gegen den Rest und droht ihm mit Disziplinierung bis hin zur Vernichtung.

Die Aufgabe all jener Kräfte, denen an einer halbwegs freien Gesellschaft noch etwas liegt, ist nicht, diese Menschen zu umwerben, ihnen nach dem Mund zu reden oder über ihre Beweggründe zu rätseln. Es gilt, gegen diesen Teil der Bevölkerung Politik zu machen und zu handeln, also mit allen legalen Mitteln dafür zu sorgen, dass sie keine Regierungsmacht erlangen. Wo das doch geschieht, müssen fortschrittliche Kräfte die Wirkmacht des politischen Personals der AfD so weit wie möglich beschränken und diejenigen unterstützen, die die Partei und ihre Repräsentanten alltäglich in solchen Regionen bekämpfen.

Linke sehen sich in der verzweifelten Situation, dass die bürgerlichen Parteien diese Entschlossenheit nicht aufbringen, sondern den rhetorischen Bürgerkrieg, der bereits gegen sie geführt wird, nicht einmal als solchen benennen. Man hofft dort, irgendwie doch wieder »Stimmenanteile zu gewinnen« und die gefährlichsten Menschen Deutschlands, nämlich den Teil der Wählerschaft, der die offene Gesellschaft vernichten will, auf seine Seite zu ziehen. Doch das wird nicht gelingen, denn parlamentarische Demokratie und ihr Personal sind dem Weltbild des völkischen Drittels zufolge per se nicht »normal«.

Es scheint, dass Linke wie stets auf sich selbst gestellt sind: Sie müssen Bündnisse schmieden, Alltagskämpfe führen, Rückzugsräume verteidigen, Wissen bewahren, an Liedern und Träumen festhalten, die nicht verblassen dürfen. Vielleicht kann man bildlich davon sprechen, dass das die Stellungen sind, in denen die Linken sich verschanzen muss – und aus denen vielleicht ab und an auch ein Gegenangriff gelingt.

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Source: jungle.world