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Der künstliche Chef
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Könnten bald auch Führungsaufgaben übernehmen: Roboter bzw. künstliche Intelligenz
Könnten bald auch Führungsaufgaben übernehmen: Roboter bzw. künstliche Intelligenz
Das Projekt gilt Insidern auch als Vergeltungsaktion und löste einige Schadenfreude aus. Eine Gruppe von Software-Entwickler:innen, die durch den Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) den Arbeitsplatz verloren hat, rüttelt nun an einem Thron, der unantastbar schien, dem Chefsessel. Sente Labs AI präsentiert Open Executive, einen KI-CEO nebst acht Subagenten für Einzelbereiche – pausenlos im Einsatz, lernfähig und vorurteilslos trifft der virtuelle Chef Entscheidungen, die er rational begründet; alle Arbeitsschritte werden zudem dokumentiert. Es fallen Gebühren an, doch der künstliche CEO ist ungleich billiger als einer aus Fleisch und Blut.
Frisst die KI nun ihre Väter? Das quelloffene Open-Executive-Modell könnte sicher um Avatare erweitert werden, die nach Maßgaben wie »größenwahnsinnig-apokalyptisch« oder »Du sollst keine anderen Götter haben neben mir« agieren, um auch Leute wie Sam Altman und Elon Musk zu ersetzen. Doch die Kapitalbesitzer:innen werden ihre Macht ebenso wie den Mythos ihrer Einmaligkeit und Unersetzbarkeit erhalten wollen. Allenfalls könnten sie, wie es Mark Zuckerberg offenbar plant, ein KI-Double von sich einsetzen. Das gäbe einfachen Gläubigen die Möglichkeit, auch einmal »persönlich« mit den gewöhnlichen Sterblichen sonst entrückten Oligarchen zu kommunizieren.
Mit Open Executive und den sicher kommenden Folgemodellen drohen in einem weiteren Bereich noch hochbezahlter white collar-Arbeit Kürzungen: dem Management.
Auch Open Executive dürfte vorläufig eher als Beratungs- und Kontrollprogramm eingesetzt werden, schon weil das bürgerliche Recht nur Menschen als Vertragspartner:innen anerkennt und einige Unsicherheiten bleiben. Noch halluziniert die KI zu oft und um ihre Gesetzestreue steht es, wie jüngst KI-Agenten von Open AI durch Cyberattacken bewiesen, auch nicht zum Besten. Wie schnell solche Probleme gelöst oder hinreichend unter Kontrolle gebracht werden können, ist unklar, doch drohen mit Open Executive und den sicher kommenden Folgemodellen in einem weiteren Bereich noch hochbezahlter white collar-Arbeit Kürzungen: dem Management.
Damit stehen heißgeliebte kapitalistische Mythen zur Disposition. Gibt es beim Geschäftssinn tatsächlich ein Bauchgefühl, das eine KI nicht haben kann? Bedarf es wirklich menschlicher Führungsqualitäten, um die Leistung eines Teams zu erhöhen? Notwendig oder wenigstens nützlich bleiben Manager:innen wohl für die Kommunikation, doch tendenziell dürften ihre Tätigkeiten entwertet werden, da die KI mehr geschäftlichen Überblick hat. Den Manager:innen bleibt vermutlich auf längere Sicht eher die Umsetzung von Erkenntnissen der KI, die sie hüten, aber nicht leiten ��� mit entsprechenden negativen Folgen für Status und Einkommen. Die Folgen für Klassen- und andere gesellschaftliche Verhältnisse sind noch schwer absehbar; Manager:innen wären die bislang mächtigste Gruppe, die von der Verdrängung durch KI betroffen ist. Im Glauben, unangreifbar zu sein, isolieren sich die KI-Oligarchen immer mehr.
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Source: jungle.world