Faultline Faultline Kommando 161

Germany · jungle.world · · 1h

»Besonders hart trifft es junge Queers, die ohnehin wenig Unterstützung haben.«

Deutsch (original) · Read in English ⇄

Das Jugendnetzwerk Lambda ist die bundesweite Selbstorganisation queerer junger Menschen. Das bedeutet, dass junge Queers nicht nur Zielgruppe von Angeboten sind, sondern selbst ihre Themen bestimmen, sich für ihre eigenen Interessen einsetzen und ihre Perspektiven in Politik und Gesellschaft einbringen können. Zum Beispiel ist da unser »Queersupport« zu nennen, ein bundesweites Beratungsangebot für queere junge Menschen. Dort geht es um Coming-out, Selbstfindung, familiäre Konflikte oder Diskriminierung, aber auch um psychische Krisen. Außerdem bauen wir gerade ein digitales queeres Jugendzentrum auf, denn rund 30 Prozent der queeren Jugendlichen haben keine entsprechenden Angebote in ihrer Nähe.

Wir erleben vor allem eine große Verunsicherung. Für viele junge Queers ist unser Verband ein Ort, an dem sie sich selbst organisieren, Gemeinschaft erleben, Verantwortung übernehmen und ihre eigenen Interessen vertreten können. 

Welche Folgen hat das Auslaufen der Förderung für das Netzwerk?

Mit der Kündigung unserer Rahmenvereinbarung zum Jahresende endet die Bundesförderung zum 31. Dezember. Die konkrete Folge ist: Wir müssen unsere Türen schließen und unsere Angebote in ihrer jetzigen Form einstellen. Das betrifft unter anderem unsere Beratung, unser digitales Jugendzentrum, unsere Veranstaltungen und Jugendbegegnungen sowie unser queeres Jugendmagazin. Auch die bundespolitische Interessenvertretung und die Begleitung Ehrenamtlicher stehen vor dem Aus. Besonders hart trifft es junge Queers, die ohnehin schon wenig Unterstützung haben. In ländlichen und strukturschwachen Regionen sind unsere digitale Beratung und Veranstaltungen für manche der einzige Zugang zu queerer Community und Unterstützung.

Wir erleben vor allem eine große Verunsicherung. Für viele junge Queers ist unser Verband ein Ort, an dem sie sich selbst organisieren, Gemeinschaft erleben, Verantwortung übernehmen und ihre eigenen Interessen vertreten können. Gleichzeitig hängen ganz konkrete Angebote von dieser Struktur ab. Wenn diese plötzlich vor dem Aus stehen, stellt sich für viele die Frage: Wohin kann ich mich künftig wenden? Gerade für junge Menschen, die in ihrem direkten Umfeld wenig Rückhalt oder keine queeren Angebote haben, ist diese Unsicherheit besonders groß. Das ist auch deshalb problematisch, weil wir gleichzeitig sehen, dass die Zahl der Beratungsanfragen an uns steigt und sich immer mehr junge Menschen mit schweren Krisenthemen wie selbstverletzendem Verhalten, Gewalt in der Familie oder Suizidalität an uns wenden.

Die drohende Schließung macht uns nicht nur traurig, sondern auch wütend. Wir werden gezwungen, die Jugendlichen alleinzulassen, die besonders stark von Einsamkeit, psychischen Belastungen und Diskriminierung betroffen sind. Gleichzeitig sind wir aber auch hoffnungsvoll. Seit wir mit der Situation an die Öffentlichkeit gegangen sind, erleben wir enorm viel gesellschaftlichen Rückenwind. Viele Menschen unterstützen uns. Wir wissen im Moment nicht, ob wir 2027 noch in unserer jetzigen Form da sein können. Aber wir tun alles dafür, dass queere junge Menschen ihre bundesweite Selbstorganisation nicht verlieren.

Read the full story at the source

Source: jungle.world