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Armenische Erleuchtungen
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So originell waren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Ihrer Lieblingszeitung auf ihrer alljährlichen Auslandsrecherchereise selten untergebracht wie gerade in Eriwan: auf einer Farm der Tiere – ohne Unterdrückerschweine allerdings – in der Stadt. Haufenweise Enten und Hühner in einem großen Gehege, mit einem Hahn, der zuverlässig dafür sorgte, dass man die frühen Morgenstunden nicht sinnlos verschlief. Zwei Hunde, ein großer und ein kleiner. Und Katzen mit jeder Menge Kätzchen, insbesondere einige weiße Katzen mit zwei unterschiedlichen Augenfarben und ganz unkatzenhafter Vorliebe: Sie sind nicht wasserscheu, ganz im Gegenteil, sondern schwimmen gerne und fangen Fische. Bekannt sind sie unter dem Namen Vankatze, nach dem Vansee, der – wie der ehemalige armenische Nationalberg Ararat – früher im seinerzeit etwas größeren Armenien lag, sich heutzutage aber in der Türkei befindet.
Um das ganze Viechzeug kümmert sich Hausherr Parujr Hajrikjan, ein mutiger, weit und breit bekannter ehemaliger Dissident, mit 13 Jahren sowjetischer Knast- und Lagerhaft auf dem Buckel und herzhaftem Händedruck.
Von der Farm der Tiere ins Stadtzentrum geht es am besten mit einem Wagen der lokalen Uber-Variante, der, nutzt man ihn zu mehreren, sehr erschwinglich ist. Kleiner Nachteil: Morgens, mittags und abends steht man im Stau.
Das Stadtzentrum brilliert mit Kunstwerken aller Art, nicht nur an der Kaskade, einer riesigen Freitreppe mit fast 600 Stufen, wo ein US-amerikanischer Mäzen eine Kunstausstellung installieren ließ, sondern auch in den übrigen Straßen.
Am Fuß der Kaskade steht ein Denkmal für den Architekten Alexander Tamanjan, der 1924 den Generalplan für Eriwan entwarf und frühe Moderne mit baulicher Tradition vereinen wollte.
Viele Gebäude in der Stadt bestehen aus Tuffstein, einem leicht zu bearbeitenden vulkanischen Gestein, das in den unterschiedlichsten Farbtönen vorkommt, von orange über rot bis braun und schwarz. Daher das Klischee von Eriwan als »rosa Stadt«. Über allem thront auf einem Hügel die monumentale »Mutter Armenien«, martialisch mit einem Schwert in der Hand; sie ersetzt seit 1967 auf dem bereits zuvor vorhandenen Sockel eine im Jahr 1962 demontierte Stalin-Statue. Weil unglaublich viele Armenier:innen im Ausland leben und arbeiten, werden wir regelmäßig freundlich angesprochen. »Wir haben euch Deutsch reden gehört, wo kommt ihr her?« Einmal ist es ein richtiger Promi, der uns so kontaktiert: der ehemalige 18fache Boxweltmeister Arthur Abraham.
Für Lebensqualität in der Stadt sorgen viele Sitzgelegenheiten a.k.a. Bänke und insbesondere kleine Trinkbrunnen, nicht zu verachten angesichts der Temperaturen, die auch im September täglich in der Spitze um die 30 Grad liegen. Überhaupt, das Wasser: Es ist von hervorragender Qualität, stammt meist aus unterirdischen Bergquellen und schmeckt superfrisch. Während es in der Hauptstadt grüne Parks in Hülle und Fülle gibt, sieht es außerhalb allerdings etwas anders aus. Es dominieren steinige, kaum bewachsene gelbe Berge, nicht wenige vulkanischen Ursprungs, die teils bizarre Gesteinsformationen hervorgebracht haben.
Doch in den Tälern sind die Böden in der Regel fruchtbar, und die Produkte der Landwirtschaft schmecken großartig: Tomaten, Gurken, Kräuter aller Art, saftige Pfirsiche und Aprikosen, Letztere auch als »armenische Pflaumen« bekannt.
Grundsätzlich scheinen aus Armenien wichtige Erfindungen der Menschheit zu stammen: In der Höhle von Areni wurde eine Weinpresse gefunden, die Forscher auf circa 4.000 Jahre vor unserer Zeitrechnung datieren; ebendort fand sich der erste vollständig erhaltene Lederschuh, der auf etwa 3.500 v. u. Z. datiert wird. Armenien gilt zudem als erstes Land, in dem das Christentum zur Staatsreligion wurde: im Jahr 301 durch König Tiridates III., dem der Missionar Gregor der Erleuchter zum himmlischen Licht verholfen hatte. Für profanere Erleuchtung sorgt der ausgezeichnete armenische Brandy, früher auch unter der Bezeichnung armenischer Cognac bekannt, erhältlich auch in extravaganten Flaschen.
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Source: jungle.world