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Fazit zum Auftakt der Fraunhofer Revolutionswerkstatt im Theater im Fraunhofner

von: anonym am: 08.11.2026 - 02:46 Themen: Antifa Bildung Kultur Soziale Kämpfe Regionen: Bayern München Deutschland Event: Fraunhofer Revolutionswerkstatt München beschäftigt sich tatsächlich mal mit

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Die "Fraunhofer Revolutionswerkstatt" von 7. - 15.11.2026

Gestartet hat das Ganze das Kollektiv Herzfeld, die sich selbst als “lose Gruppierung von freischaffenden
professionellen Künstlern” bezeichnen. Passt ja soweit zur Münchner Intellektuellenszene in den 1910ern
ganz gut.

Heute also 18:00 Eröffnung in der “Kulisse”, (zu der ich natürlich nicht pünktlich war), um 20:00 dann das
“Sendlinger Revolutionsensemble” im “Theater im Fraunhofner” mit Liedern und gelesenen Texten aus der
Räterepublik. Grad so rechtzeitig noch angekommen, heb ich mir mal die Info- Ausstellung im Thekenraum
für später auf, schnapp mir ein Programmheft und ab in den Theatersaal. Das Fraunhofer hat wirklich den
passenden Stil muss man sagen, schöne alte Holzvertäfelung und rot bezogene Klappsitze, auch das
Ensemble tritt thematisch passend in schwarz-rotem Zwirn auf. Der kleine Saal ist bis auf ein/zwei Reihen
besetzt aber im Publikum bin ich bis auf 1-2 Ausnahmen wohl der Einzige unter 40, gehts mal wieder mehr
aus Leute, Eintritt war ermäßigt nur 6€!

Das Ensemble kann auf jeden Fall was, die aufeinander abgestimmte Abwechslung aus Liedern und
Textausschnitten lässt keine Zeit für Pausen oder unpassenden Applaus, Dominik Frank als Erzähler
überzeugt mit gutem Gefühl für Pointen und Stimmungsaufbau. Der Sängerin Johanna Weiske fehlt es zwar
für manche Lieder an revolutionärem Pathos, trotzdem sorgt ihre Stimme für Gänsehaut und schafft es,
etwas ausgelutschten Kamellen wie Brechts “Resolution der Kommunarden” neues Leben einzuhauchen.
Auch die Textauswahl ist gut gelungen. Wer sich selbst ne Meinung bilden will, gehe am 26.11. in die
Sendlinger Kulturschmiede.

Jetzt aber zur Ausstellung. Nach dem zum größeren Teil von anarchistischen Texten (v.a. Graf und
Mühsam) geprägten Musikprogramm, ist man doch etwas vor den Kopf gestoßen, direkt links neben der Tür
von einem Grußwort des ehemaligen Bürgermeisters Dieter Reiter (SPD) empfangen zu werden. Damit
fängt das demokratische Desaster auch schon an. Nicht nur dass den Revolutionär*innen unterstellt wird,
eine “parlamentarische Demokratie” vorausgedacht zu haben, dass Herr Reiter Werte wie Gewaltenteilung,
Unverletzlichkeit der Person oder Arbeiterräte rühmt, während er die Stadt München vertritt, ist mindestens
kognitive Dissonanz, wenn nicht ein Schlag ins Gesicht. Spätestens als er entschuldigend schreibt, dass
“die Zeit der Orientierungslosigkeit”, und dass “mit der gewaltsamen Niederschlagung der darauffolgenden
Räterepubliken Blut floss”, Kurt Eisner und den von Reiter sog. Erstdemokratinnen nicht angelastet werden
könne, weiß man dass hier der Wind eher von Geschichtsverwässerung als Anerkennung weht. Auch Sepp
Rauch (Kurator ver.di Kultur) macht mit seinem Ausstellungsvorwort keine gute Figur. Die arg bemühten
Wortschöpfungen “ErstDemokrat|inn|en” und “DemokratieStart.1918” wirken eher nach Werbekampagne,
und dass er es “überraschend” findet, wie viele Frauen an der Revolution beteiligt waren, lässt ihn nicht so
modern klingen wie er es vielleicht erhofft. Verwundern tuts nun auch gar nicht mehr, dass in keinem der
beiden Texte das Wort “Sozialist” oder gar “Anarchist” zu finden ist. Bei den Ermordungen 1919 ist nur von
“Erstdemokratinnen” und “Rechtsextremisten” die Rede, dass die SPD-Exilregierung Hoffmann durch ihren
Kampf gegen die Räterepublik die militärische Situation verschärfte und die Freikorps ermöglichte, ist auch
nirgends erwähnt.

Beim Weitergehen Richtung Theke kann man nun kurze Porträts verschiedener Revolutionär*innen
betrachten, wobei die Texte auch hier teils ein wenig angestrengt auf Frieden und Demokratie fokussiert
scheinen. Erich Mühsam war etwas mühsam zu finden, seine Tafel hing hinter einem für Vorträge
gedachten Holzpodium. Wäre ihm denk ich lieber gewesen, wäre er garnicht aufzufinden gewesen, anstatt
unter dem riesigen Titel “Erst|Demokrat|Innen München”. Dass im kleinen darunter doch direkt erwähnt
wird, dass er die anarchistische Gruppe Tat gründete, lässt einen sich fragen ob der Kurator sich wirklich
durchgelesen hat was er da kuratierte. Bevor ich Oskar Maria Grafs “Gedenken” ausfindig machen konnte,
ging mir leider das Bier aus und ich musste den Bus erwischen. Er tät sich bestimmt eh eher freuen, wenn
einer mal seine Lederhosn ausm Museum befreit.

Trotzdem soll dieser kleine Text den Leser durchaus nicht abhalten, die “Fraunhofer Revolutionswerkstatt” zu
besuchen; im Gegenteil, vielleicht lassen sich ja grad da paar interessante Gespräche führen.

Bilder: webadresse: https://www.kollektiv-her...Lizenz des Artikels und aller eingebetteten Medien:  Creative Commons by-sa: Weitergabe unter gleichen Bedingungen
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