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200 Menschen demonstrieren gegen illegale Räumung des Hugo Haus in Berlin

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Symbolbild · Leonhard Lenz / CC0 · Wikimedia Commons

Was war zuvor geschehen? Nach jahrelangem Leerstand und Verfall des

denkmalgeschützten Hotels in der Gürtelstraße 39 in Berlin hatten junge Punks das Haus

besetzt und langsam wieder in einen bewohnbaren Zustand gebracht. Sie tauften es das

"Hugo Haus", benannt nach einem Hund, der dort einige Zeit lebte. Zuletzt wohnten 12

Menschen dort und hatten oft viele Gäste. Der österreichische Investor „GSI 2

Entwicklungs GmbH“ kaufte kürzlich das Grundstück, um darauf einen Luxuswohnblock zu

errichten. Über Räumungstitel, Bauantrag und Baugenehmigung verfügt er dafür bis heute

nicht. Die Punks sollten dennoch das Gebäude verlassen. Durch kombiniertes Vorgehen

privater Securities, Bauarbeiter und der Polizei wurde die Situation binnen Wochen

eskaliert. Nachdem die Bewohnenden sich schließlich gegen die Dauerprovokation

wehrten, konnte am Donnerstag, den 24.09.26, mittels Durchsuchungsbefehl eine

de-facto-Räumung durchgeführt werden. Die Polizei berichtete darüber einseitig.

Daraufhin wurden die Punks in den Medien sehr negativ dargestellt.

Kurz nach Beginn der Auseinandersetzung am 26.08.2026 haben Unterstützende des

Hugo Hauses eine Dauer-Mahnwache auf der anderen Straßenseite angemeldet. Sie

protestieren bis heute dort gegen die illegale Räumung und geplante Verteuerung und 

berichten vom Vorgehen des Eigentümers. Am 26.09.2026 organisierten nun weitere 

Supporter einen lauten Protest. 200 Teilnehmende erscheinen zu der Veranstaltung am 

Ostkreuz, ca. 30 Polizeikräfte begleiten die Demonstration. Einige der nun obdachlosen

Hausbewohnenden und Engagierte von der Mahnwache sind auch dabei. Auf der

Startkundgebung reagieren sie laut und leidenschaftlich auf die Geschehnisse und setzen

sie in einen breiten gesellschaftlichen Kontext.

"Als ehemaliger Bewohni schmerzt mich die Räumung zutiefst. Ich habe dort etwa ein Jahr

gelebt von den 2 Jahren, die es nun still besetzt war. Habe mit meinen Atzen das Haus

renoviert und eine schöne Zeit verbracht. Für uns war dieser Ort ein Schutzraum vor

Übergriffen, Raub und Anfeindungen, denen wir auf der Straße ausgesetzt waren. Nun

wurde dieses selbstgeschaffene Zuhause gewaltsam geräumt. Ein privater, mutmaßlich

rechter Security-Trupp ging mit Pfefferspray und Brecheisen vor, zerschlug Scheiben und

provozierte gezielt, um ein Polizeieingreifen zu erzwingen." sagt A., ehemals wohnhaft im

Hugo Haus.

"Die Besetzung des Hugo Hauses war kein Verbrechen. Die Besetzung ist eine Notwehraktion gegen ein kaputtes System! 

Menschen brauchen ein Zuhause, das ist kein Verbrechen. Aber kein Mensch braucht 100erte Wohnungen,

weil das ist ein Verbrechen!" verkündet C., auch ehemals wohnhaft im Hugo Haus. "An die Politik und die Eigentümer

richten wir eine klare Botschaft: Erwartet nicht, dass wir friedlich zusehen, wie 

unsereViertel zerstört werden. Jeder Räumungsbefehl gegen ein besetztes Haus ist ein 

Schlag ins Gesicht für alle, die eine bezahlbare Wohnung suchen. Wir fordern das Ende 

von Leerstand, das Ende von Zwangsräumungen und eine radikale Vergesellschaftung 

von Wohnraum!", so C. weiter.

A., ein weiterer Bewohner, sagt: "Ich war nie richtig irgendwo zuhause. Immer überall und

nirgendwo. Irgendwann bin ich dann ins Hugohaus gekommen. Da hab ich mich dann zum

ersten Mal richtig wohl und zuhause gefühlt. Wir leben in einem verkackten System, in

dem alles immer teurer wird. Menschen haben keinen sicheren Wohnort und nichts zu

fressen. Das alles während ein kleiner Prozentsatz von Menschen immer reicher und fetter

wird. Wir sind in dieses verwahrloste Haus eingezogen und haben es zu einem warmen

Zuhause gemacht. Ein Ort, an dem man zusammenkommt. Ein Ort, wo gemeinsam

gearbeitet, gekocht, gelacht und geweint wird."

Auch Menschen der Mahnwache finden klare Worte.

"Schandflecken sind auf der plötzlich dann doch getragenen Schutzkleidung der

Securities, die mal eben Fenster aushebeln und reinpfeffern und vorher tagelang

Menschen aushungern. Augen auf bei der Berufswahl und viel Spaß mit eurer Asbestose.

Eure Auftraggeber werden euch nicht unterstützen, wenn ihr dann arbeitsunfähig seid.

Auch an die Bauarbeitenden: Hat keinen Spaß gemacht, oder? Ihr könnt so viel aufbauen.

Lasst euch nicht von irgendwelchen Investor*innen vor den Karren spannen." sagt B., eine

Unterstützende, die die Räumung beobachtet hat. Die beauftragte "dBS Investment

GmbH" hatte kurz vor der illegalen Räumung die Hausfassade geöffnet und giftige

Dämmung entfernt. Dabei trugen die Bauarbeiter ungenügende Schutzkleidung.

Auch Musikbeiträge werden bei der Kundgebung aufgeführt. "Wir stören gern!" und "Die

Autonome Maus" von FaulenzA, sowie "Landlords are full of shit!" von Aza finden viel

Beifall. Anschließend läuft die Demo am Hugo Haus vorbei, zieht mit lauten Sprechchören

und einem großen "TAKE BACK BERLIN!"-Banner zum Boxhagener Platz und löst sich

dort auf. Unterwegs wurde eine Seenotfackel gezündet, dauerhaft festgenommen wurde

aber niemand.

Das Hugo Haus bestand seit Herbst 2024 und bot vielen jungen Menschen einen

kreativen Frei- und Schutzraum. Einige ehemals Wohnungslose begannen von dort eine

Ausbildung, begaben sich in Therapie und fanden neue Wohngemeinschaften. Das Hugo

Haus genießt breite Solidarität in der Friedrichshainer Nachbarschaft. Die junge 

Besetzung wirkt auch weiterhin als Symbol für die Erneuerung des Berliner Charakters als

Stadt der Freiheit, Kunst und Kultur.

Erreichbar ist die Hausgemeinschaft auf Instagram unter @schandfleckhugo

Updates zum weiteren Verlauf gibt es auf Telegram: t.me/HUGOhausSchandfleck

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Source: de.indymedia